Wer mit einem nordzyprischen Einreisestempel im Reisepass nach Griechenland reisen will, riskiert eine Zurückweisung an der Grenze. Athen erkennt die Türkische Republik Nordzypern (TRNZ) nicht an und behandelt Dokumente mit entsprechenden Stempeln deshalb mit großem Misstrauen. Die Praxis ist alt, sorgt aber Jahr für Jahr für neue Fälle – und für viel Ärger bei Reisenden, die davon nichts ahnten.
Worum es bei der Einreiseverweigerung geht
Immer wieder berichten Reisende, dass sie an griechischen Grenzübergängen, Häfen oder Flughäfen abgewiesen werden. Der Auslöser ist ein kleiner Eintrag im Pass: der Einreisestempel der TRNZ. Die griechische Regierung betrachtet einen solchen Stempel als Beleg für eine Einreise in einen Staat, den sie völkerrechtlich nicht anerkennt. Ein Pass, der ihn trägt, gilt den Behörden daher als nicht ordnungsgemäß, und dem Inhaber wird die Ein- oder Durchreise verweigert.
Die Konsequenzen sind ganz praktisch. Touristen aus der Türkei, die per Fähre auf eine der griechischen Inseln gelangt sind, wurden schon mehrfach direkt am Hafen aufgehalten und mussten mit dem nächsten Schiff zurück zum türkischen Festland fahren. Urlaub, Hotelbuchung und Anreisekosten sind in solchen Fällen verloren.
Eine Praxis mit langer Geschichte
Neu ist das Problem nicht. Bereits 2011 berichtete unser Portal unter dem Titel „Einreiseverbot nach Griechenland wegen Nordzypern-Stempel im Reisepass“ über derartige Vorfälle. Seitdem hat sich an der Grundhaltung Athens nichts geändert, und auch in diesem Jahr wurden wieder mehrere Fälle bekannt.

Für Griechenland ist ein TRNZ-Stempel kein harmloser Vermerk, sondern der Hinweis auf eine Einreise in einen nicht anerkannten Staat.
Hintergrund ist der ungelöste Zypernkonflikt. Seit 1974 ist die Insel faktisch geteilt, und nur die Republik Zypern im Süden wird international als Staat anerkannt. Die TRNZ hat bislang nur in Ankara einen Unterstützer, der sie diplomatisch anerkennt. Wer Interessantes zur politischen Lage im Norden lesen möchte, findet etwa Hintergründe in unserem Beitrag über die Gründung der Partei des Volkes in Nordzypern.
Wer besonders häufig betroffen ist
Am häufigsten trifft es türkische Staatsbürger, die ein Schengen-Visum besitzen. Viele von ihnen leben oder arbeiten in westeuropäischen EU-Staaten und fahren im Sommer mit dem Auto in die Türkei, um dort Urlaub zu machen oder Verwandte zu besuchen. Der Landweg führt traditionell durch Griechenland.
Hat jemand zuvor Nordzypern besucht und trägt den dortigen Stempel im Pass, kann die Reise an der griechischen Grenze enden. Griechische Grenzbeamte akzeptieren die Einreisedokumente dann nicht, und die Betroffenen stehen mit ihrem Fahrzeug, oft mit der ganzen Familie, vor einer verschlossenen Tür.
Bulgarien als Ausweichroute
Wer bei der Einreise in Griechenland Schwierigkeiten befürchtet oder bereits abgewiesen wurde, kann auf Bulgarien ausweichen. Die bulgarisch-türkische Grenze lässt sich über mehrere Übergänge passieren:
- Kapıkule
- Hamzabeyli
- Aziziye-Dereköy

An diesen Übergängen ist die Durchfahrt mit gültigen Reisepässen oder mit einem deutschen Personalausweis ohne Weiteres möglich. Die Route ist zwar mitunter etwas länger, erspart aber die Gefahr, vor der Grenze umkehren zu müssen. Wie immer sollten Reisende vorab prüfen, welche Dokumente für ihre Staatsangehörigkeit und ihren Aufenthaltsstatus erforderlich sind.
Was Reisende beachten sollten
Wer Nordzypern besuchen möchte und später eine Reise über Griechenland plant, sollte das Risiko kennen. Ein Stempel im Pass lässt sich nicht rückgängig machen. Manche Reisende lassen sich daher bei der Einreise in den Norden ihren Aufenthalt auf einem separaten Zettel statt im Pass vermerken – ob dies im Einzelfall möglich ist, entscheiden die Grenzbehörden vor Ort.
Grundsätzlich gilt: Wer sicher gehen will, informiert sich vor der Abreise bei der zuständigen Auslandsvertretung oder dem Außenministerium über aktuelle Einreisebestimmungen und plant gegebenenfalls eine alternative Route ein. Die politischen Spannungen auf der Insel, die auch bei anderen Themen sichtbar werden – etwa bei der Terrorliste Nordzyperns –, wirken sich eben auch auf scheinbar banale Dinge wie einen Stempel im Reisepass aus.
Die Verweigerung der Einreise ist letztlich eine politische Geste, die auf dem Rücken einzelner Reisender ausgetragen wird. Solange der Zypernkonflikt nicht gelöst ist und Athen an seiner Nichtanerkennungspolitik festhält, dürfte sich daran wenig ändern. Für Betroffene bleibt deshalb vor allem eines: gut vorbereitet reisen und im Zweifel über Bulgarien fahren.
