Nordzypern entsetzt über Anschläge in der Türkei

Die Türkei wurde am Mittwoch durch einen Anschlag in Ankara erschüttert. Bei dem Terrorangriff auf ein mit Angehörigen des Militärs besetztes Fahrzeug in der Landeshauptstadt kamen 28 Menschen ums…

Zwei Anschläge innerhalb von nur zwei Tagen haben die Türkei erschüttert – und auch in der Türkischen Republik Nordzypern große Bestürzung ausgelöst. Nach dem Terrorangriff in der Hauptstadt Ankara mit 28 Toten und der Explosion einer ferngesteuerten Landmine im Südosten des Landes, bei der sechs Soldaten starben, verurteilte die politische Führung im Norden der Insel die Taten in ungewöhnlich einmütiger Form.

Der Anschlag von Ankara

Am Mittwoch wurde die türkische Hauptstadt Ziel eines Terrorangriffs. Das Attentat richtete sich gegen ein Fahrzeug, in dem Angehörige des Militärs unterwegs waren. Nach den vorliegenden Angaben kamen dabei 28 Menschen ums Leben. Dass der Angriff mitten in der Landeshauptstadt stattfand, in der Regierung, Parlament und Generalstab ihren Sitz haben, verleiht der Tat zusätzliches Gewicht.

Auch die Zahl der Verletzten ist hoch: 81 Menschen wurden verletzt. 59 von ihnen konnten nach einer ambulanten Behandlung wieder entlassen werden. 22 Patienten befinden sich weiterhin in mehreren Krankenhäusern in Behandlung, unter ihnen sieben Schwerverletzte. Für sie ist die Lage nach wie vor ernst, sodass die Zahl der Opfer unter Umständen noch steigen könnte.

Anschläge auf Fahrzeuge mit Militärangehörigen zielen nach gängiger Einschätzung nicht nur auf die unmittelbaren Opfer. Sie sollen Verunsicherung in der Bevölkerung säen und den Staat an einer empfindlichen Stelle treffen – bei den Sicherheitskräften, die im Alltag sichtbar sind und deren Wege vergleichsweise gut beobachtet werden können.

Nur einen Tag später folgte der nächste Angriff. Auf der Verbindungsstraße zwischen Diyarbakır und Bingöl detonierte eine ferngesteuerte Landmine. Sechs Soldaten starben, ein weiterer wurde schwer verletzt. Anders als in Ankara handelte es sich hier um eine Tat auf einer Überlandstrecke, wie sie in der Region schon in der Vergangenheit immer wieder zum Schauplatz von Sprengfallen wurde.

Die zeitliche Nähe der beiden Ereignisse verstärkte den Eindruck einer Serie. Während Ankara als Symbol des Staates getroffen wurde, zeigte der Angriff im Südosten, dass auch abseits der Metropolen Sicherheitskräfte auf ihren Routen verwundbar bleiben. Für die Angehörigen der getöteten Soldaten bedeutet das binnen kürzester Zeit eine doppelte Welle der Trauer im ganzen Land.

Die Bilanz im Überblick

  • Ankara: 28 Tote und 81 Verletzte bei dem Angriff auf ein Militärfahrzeug
  • Von den Verletzten: 59 ambulant behandelt und entlassen, 22 weiter im Krankenhaus, darunter sieben in schwerem Zustand
  • Zwischen Diyarbakır und Bingöl: sechs getötete Soldaten und ein Schwerverletzter durch eine ferngesteuerte Landmine

Reaktionen in Nordzypern

In der Türkischen Republik Nordzypern fielen die Reaktionen schnell und deutlich aus. Der Präsident, der Premierminister und die Parlamentspräsidentin verurteilten die Taten aufs Schärfste. Hinzu kamen Stellungnahmen mehrerer Parteivorsitzender, ehemaliger Politiker sowie der Leiter unterschiedlicher Organisationen und Verbände. Das Spektrum reichte damit weit über die Regierungsbank hinaus.

Bemerkenswert ist diese Breite in einem politischen Umfeld, in dem Regierung und Opposition sonst häufig gegensätzliche Positionen vertreten. Bei Terrorakten auf dem türkischen Festland rücken die Lager im Norden der Insel erfahrungsgemäß eng zusammen. Die Verbundenheit mit der Türkei, die dort als Schutzmacht wahrgenommen wird, spielt dabei eine zentrale Rolle.

Die Verurteilung der Anschläge reichte vom Präsidenten über den Premierminister und die Parlamentspräsidentin bis hin zu Parteichefs, Ex-Politikern und zahlreichen Organisationen.

Beileid an Erdoğan und Akar

Das nordzyprische Staatsoberhaupt Mustafa Akıncı ließ seinem Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan sowie dem Generalstabschef Hulusi Akar eine Beileidsbekundung zukommen. Mit der Adressierung an den Generalstabschef würdigte er ausdrücklich auch die Streitkräfte, die von beiden Anschlägen unmittelbar betroffen waren.

Der inseltürkische Premierminister Ömer Kalyoncu übermittelte seinem festlandtürkischen Kollegen ebenfalls ein Kondolenzschreiben. Solche Schreiben gehören zum diplomatischen Protokoll, sind aber mehr als Formalität: Sie bringen zum Ausdruck, dass Nordzypern die Trauer der Türkei als eigene empfindet und den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aussprechen will.

Warum die Ereignisse im Norden der Insel so nachhallen

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Nordzypern sind eng. Wirtschaftlich, politisch und sicherheitspolitisch ist der Norden der Insel stark mit Ankara verflochten, und viele Familien haben persönliche Bindungen auf das Festland. Entsprechend unmittelbar werden Nachrichten über Anschläge dort aufgenommen. Die Türkei unterhält zudem seit Jahrzehnten Truppen auf der Insel, sodass das Thema Sicherheit der Streitkräfte auch lokal präsent ist.

Hinzu kommt die Sorge vor einer weiteren Eskalation. Wer Terror erlebt, fragt sich auch, welche Folgen er für die Region hat – für Reisende, für den Handel und für die Stimmung in der Bevölkerung. Gerade für eine Gesellschaft, die vom Austausch mit dem Festland lebt, sind Nachrichten dieser Art mehr als ferne Meldungen.

Wie ernst Sicherheitsfragen in Nordzypern selbst genommen werden, zeigt auch ein Blick auf die innere Rechtslage: Lesenswert ist dazu unser Beitrag über Nordzyperns Terrorliste mit zehn verbotenen Organisationen.

Einordnung und Ausblick

Die Hintergründe der beiden Taten waren in den ersten Meldungen nicht Gegenstand der Berichterstattung aus Nordzypern; im Mittelpunkt standen die Opferzahlen und die Reaktionen. Wichtig bleibt deshalb, zwischen gesicherten Fakten und Spekulationen zu unterscheiden und die Ermittlungen der türkischen Behörden abzuwarten.

Sicher ist: Die Zahl von 34 Toten binnen zweier Tage ist ein schwerer Einschnitt, und die Verletzten in den Krankenhäusern brauchen weiterhin intensive Betreuung. Für die Menschen in Nordzypern bleibt vorerst der Ausdruck der Anteilnahme – verbunden mit der Hoffnung, dass sich Gewalt dieser Art nicht wiederholt und die Region zu mehr Stabilität findet.