Griechische Zyprer geben Millionen im türkischen Ausland aus

In den inselgriechischen Medien wurde berichtet, dass die Südzyprer etwa eine Million Euro innerhalb eines Monats in der Türkei und der Türkischen Republik Nordzypern ausgegeben haben.

Gut eine Million Euro in nur einem Monat: Diese Summe sollen griechische Zyprer im Dezember 2015 mit ihren Kreditkarten in der Türkei und im Norden der Insel ausgegeben haben. Die Zahl sorgte in den Medien der Republik Zypern für Aufmerksamkeit, denn sie zeigt, wie durchlässig die wirtschaftlichen Grenzen auf der geteilten Insel im Alltag längst geworden sind – politischen Spannungen zum Trotz.

Was die Zahlen aus dem Dezember 2015 besagen

Die südzyprische Zeitung Simerini berief sich auf Daten des Zahlungsdienstleisters JCC, der Kartentransaktionen auf der Insel abwickelt. Demnach gaben Inselgriechen allein für Flugtickets im Dezember des vergangenen Jahres rund 178.000 Euro per Kreditkarte aus. Für Hotelübernachtungen kamen etwa 300.000 Euro zusammen, für Unterhaltung weitere 179.000 Euro.

Rechnet man diese und weitere Posten zusammen, ergibt sich laut Simerini für den letzten Monat des Jahres 2015 eine Gesamtsumme von etwa einer Million Euro, die Zypern-Griechen mit Karten im Norden der Insel und in der Türkei ausgaben. Wichtig ist: Es handelt sich um Kartenumsätze. Bargeldzahlungen, die gerade bei kleineren Einkäufen häufig sind, tauchen in dieser Statistik nicht auf. Die tatsächlichen Ausgaben dürften daher eher höher liegen.

Wohin das Geld fließt

Die drei genannten Kategorien – Reisen, Unterkunft, Freizeit – zeichnen das Bild typischer Kurzurlaube. Wer von Südzypern in die Türkei fliegt, tut dies häufig für ein verlängertes Wochenende oder rund um die Feiertage. Istanbul, Antalya und andere Städte sind von der Insel aus schnell zu erreichen, und Flüge sind oft günstig.

Bemerkenswert ist, dass die Hotelausgaben die Flugkosten deutlich übersteigen. Das spricht dafür, dass viele Reisende mehrere Nächte blieben oder Häuser der gehobenen Kategorie wählten. Die knapp 179.000 Euro für Unterhaltung verweisen auf Restaurants, Veranstaltungen, Einkaufszentren und Freizeitangebote, die an den Festtagen gut besucht sind.

Der Norden als Ziel

Auch der Inselnorden profitiert. Seit der Öffnung der Übergänge im Jahr 2003 können Bewohner des Südens die Demarkationslinie relativ unkompliziert überqueren. Tagesausflüge nach Kyrenia, Famagusta oder in den Karpaz sind beliebt, ebenso Einkäufe und Restaurantbesuche, weil das Preisniveau dort in vielen Bereichen niedriger ist. Kartenzahlungen aus dem Süden sind im Norden allerdings eine Besonderheit, da die Infrastruktur dort eigenen Beschränkungen unterliegt.

Warum die Preise eine Rolle spielen

Ein wesentlicher Treiber ist das Preisgefälle. Nach der schweren Finanz- und Bankenkrise von 2013 achteten viele Haushalte im Süden genauer aufs Geld. Wer Urlaub machen wollte, suchte Angebote, bei denen sich für das gleiche Budget mehr bekommen ließ. Die Türkei und der Norden boten das: günstige Hotels, preiswerte Gastronomie, dazu häufig Pauschalangebote.

Hinzu kommen Wechselkurseffekte. Die türkische Lira hatte gegenüber dem Euro an Wert verloren, was Besuchern aus dem Euroraum zusätzliche Kaufkraft verschaffte. Dass Zyprer im eigenen Land kaum noch günstige Flugverbindungen zu bekannten Zielen finden, verstärkt den Effekt: Wer ohnehin eine Auslandsreise plant, vergleicht Preise, und die Türkei schneidet dabei oft gut ab.

Die Zahlen zeigen, dass der Geldbeutel oft schneller Grenzen überwindet als die Politik.

Flugverbindungen und Infrastruktur

Reisende aus dem Süden fliegen meist von Larnaka oder Paphos in die Türkei. Zugleich ist der Flughafen Ercan im Norden ein Thema, wenn es um die Anbindung der Insel an die Türkei geht; mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Der Flughafen Ercan in Nordzypern holt auf. Auch die Frage nach den Airlines des Nordens wird diskutiert, etwa in Karpaz Airlines, die Fluggesellschaft Nordzyperns?.

Dass allein die Ticketkäufe knapp 178.000 Euro ausmachten, zeigt, wie stark der Luftverkehr in die Türkei von zyprischen Passagieren genutzt wird. Für türkische Fluggesellschaften ist die Insel ein kleiner, aber stabiler Markt.

Handel über die Grenze hinweg

Die Ausgaben von Touristen sind nur ein Teil der wirtschaftlichen Verflechtung. Auch im Warenverkehr bestehen enge Beziehungen: Wie stark der Handel zugenommen hat, schildert unser Artikel Südzypern verdoppelt Importe aus der Türkei. Ebenso gibt es Infrastrukturprojekte, die Nord und Türkei verbinden, etwa die Wasser-Pipeline zwischen Zypern und der Türkei.

Solche Beispiele machen deutlich, dass sich wirtschaftliche Realitäten nicht immer an politischen Fronten orientieren. Privatpersonen entscheiden nach Preis, Bequemlichkeit und Erlebniswert – nicht nach Staatszugehörigkeit.

Politische Einordnung und Kritik

Die Berichterstattung über die Millionenausgaben hat auch eine politische Dimension. Die Republik Zypern erkennt die Türkische Republik Nordzypern nicht an, und Ausgaben im Norden werden von manchen als indirekte Unterstützung der Teilung kritisiert. Andere halten dagegen, dass Begegnung und wirtschaftlicher Austausch Vertrauen schaffen und die Wiedervereinigung erleichtern können.

Für die Tourismusbranche im Süden stellt sich zudem eine praktische Frage: Wenn Einheimische ihr Geld im Ausland lassen, fehlt es im heimischen Gastgewerbe, besonders in der Nebensaison. Branchenvertreter fordern deshalb regelmäßig attraktivere Inlandsangebote und günstigere Flugverbindungen.

Eine Einordnung der Größenordnung

Eine Million Euro klingt viel, ist aber im Verhältnis zum Gesamtvolumen des zyprischen Tourismus überschaubar. Der Wert liegt in dem, was er zeigt: einen Trend, der im Dezember – einem Monat mit Feiertagen und Reiselust – besonders sichtbar wird. Ob sich die Muster über das Jahr hinweg verfestigen, müssten weitere Auswertungen zeigen. Klar ist: Die Nachbarschaft zur Türkei und zum Norden ist für viele Zyprer eine alltägliche Option geworden.