Nordzyperns ehemaliger Premier Konuk gestorben

Im Alter von 86 Jahren ist Osman Nejat Konuk am ersten Neujahrstag in seinem Zuhause in Istanbul gestorben.

Mit Osman Nejat Konuk ist ein Politiker gestorben, der die staatliche Entwicklung der türkisch-zyprischen Seite über mehr als ein Jahrzehnt mitgeprägt hat. Der frühere erste Ministerpräsident der Türkischen Republik Nordzypern starb im Alter von 86 Jahren am ersten Neujahrstag in seinem Zuhause in Istanbul. Der Staat verabschiedet sich nun mit einem Staatsbegräbnis in Lefkoşa von ihm.

Konuks politischer Weg verlief parallel zu den Stationen, in denen sich die türkisch-zyprische Gemeinschaft eigene Institutionen schuf. Er begann 1970 als Abgeordneter des zyprisch-türkischen Volksgruppenparlaments. Dieses Gremium vertrat die türkisch-zyprische Gemeinschaft, nachdem die gemeinsamen Strukturen der Republik Zypern seit den frühen sechziger Jahren nicht mehr funktionierten.

Danach folgte eine ungewöhnlich lange Reihe von Ämtern. Wer sie nebeneinanderlegt, sieht, wie eng sein Lebenslauf mit dem Aufbau der Verwaltung im Norden verbunden war. Er war Parlamentarier, Regierungschef, Staatsoberhaupt einer Übergangsordnung und schließlich Premierminister des neu ausgerufenen Staates.

Die Stationen im Überblick

  • 1970: Abgeordneter des zyprisch-türkischen Volksgruppenparlaments
  • 1975: Parlamentarier
  • 1976: erster Ministerpräsident
  • 1982: Präsident des zyprisch-türkischen Föderativstaats
  • 1983: Abgeordneter und erster Premierminister der Türkischen Republik Nordzypern

Vom Volksgruppenparlament zum eigenen Staat

Um Konuks Bedeutung einzuordnen, muss man auf die Geschichte der Insel blicken. Nach den Unruhen der sechziger Jahre und den Ereignissen von 1974 organisierte sich die türkisch-zyprische Seite im Norden zunehmend eigenständig. 1975 entstand der Föderativstaat, dessen Name zeigen sollte, dass man weiterhin eine bundesstaatliche Lösung für die ganze Insel anstrebte.

In diesem Rahmen wurde Konuk 1976 erster Ministerpräsident. Ein Amt, das es zuvor in dieser Form nicht gegeben hatte, verlangte vor allem Aufbauarbeit. Ministerien, Behörden und Abläufe mussten geschaffen oder neu geordnet werden, und das in einer Phase großer wirtschaftlicher und humanitärer Herausforderungen.

Als er 1982 Präsident des Föderativstaats wurde, stand die Gemeinschaft bereits kurz vor dem nächsten großen Schritt. Im Jahr darauf wurde die Türkische Republik Nordzypern ausgerufen. Konuk wurde Abgeordneter und übernahm als erster Premierminister die Regierungsgeschäfte des neuen Gebildes. Bis heute wird dieser Staat völkerrechtlich nur von der Türkei anerkannt, was seine Politik und Verwaltung dauerhaft prägt.

Wer die Anfänge der staatlichen Strukturen im Norden Zyperns verstehen will, kommt an Osman Nejat Konuk nicht vorbei.

Die Würdigungen der Staatsspitze

Nach Bekanntwerden des Todes übermittelten Staatspräsident Derviş Eroğlu und die Parlamentspräsidentin Sibel Siber der Familie Kondolenzschreiben. Solche Beileidsbekundungen gehören zum Protokoll, sie zeigen aber auch, dass Konuk über Parteigrenzen und Generationen hinweg als Persönlichkeit der Gründungsphase geachtet wird.

Zu Eroğlus Amtsführung und seinen internationalen Auftritten finden Sie weitere Informationen in unserem Beitrag Nordzyperns Präsident Derviş Eroğlu in New York. Dort wird deutlich, wie sehr die Außenvertretung des Nordens bis heute von der ungeklärten Statusfrage bestimmt wird.

Das Staatsbegräbnis in Lefkoşa

Am Montag wird die Trauerfeier als Staatsbegräbnis vor dem Parlament in Lefkoşa eingeleitet. Daran nehmen das Staatsoberhaupt, die Parlamentspräsidentin, der Regierungschef und die Minister teil. Der Ort ist bewusst gewählt: Das Parlament ist die Institution, in der Konuk einen großen Teil seines politischen Lebens verbracht hat.

Im Anschluss folgt der religiöse Teil. Nach dem Mittagsgebet in der İsmail-Safa-Moschee findet das Totengebet statt, wie es im islamischen Brauch üblich ist. Danach wird Konuk auf dem muslimischen Hauptfriedhof von Lefkoşa beigesetzt.

Staatliche Trauerzeremonien sind im Norden Zyperns keine Seltenheit, wenn auch meist aus traurigeren Anlässen. Wie das Land auf Verluste reagiert, zeigt etwa der Bericht Nach Anschlägen in Ankara Staatstrauer in Nordzypern.

Ein Vermächtnis zwischen Aufbau und offener Zypernfrage

Konuks Wirken lässt sich unterschiedlich bewerten. Für viele Zyperntürken steht er für die Anfangsjahre der eigenen Institutionen, in denen Verwaltung, Parlamentsbetrieb und Regierungsarbeit erst eingeübt werden mussten. Auf griechisch-zyprischer Seite und international wird die Staatsgründung von 1983 dagegen bis heute kritisch gesehen, und die Zypernfrage ist weiterhin ungelöst.

Unstrittig ist, dass seine Ämterfolge ein Stück Zeitgeschichte abbilden. Von der Volksgruppenvertretung über den Föderativstaat bis zur Republik reicht ein Bogen, den nur wenige Politiker persönlich begleitet haben. Mit seinem Tod geht eine Generation zu Ende, die diese Übergänge aus erster Hand erlebt hat.

Wer sich für die heutige politische Landschaft interessiert, findet in den Berichten über die Gründung der Partei des Volkes in Nordzypern ein Beispiel dafür, wie sich das Parteiensystem seither weiterentwickelt hat. Die Institutionen, die Konuk mit aufgebaut hat, bestehen fort, und über ihre Zukunft wird weiter gestritten.