Ärger um einen Zypern-Panzer in Anatolien

Ein Veteranen-Panzer und ein gepanzerter Spähwagen aus der Zeit der türkischen Invasion auf Zypern haben auf dem anatolischen Festland für Furore gesorgt.

Zwei Relikte des Jahres 1974 haben in der südtürkischen Provinz Mersin für unerwartete Aufregung gesorgt: ein Veteranen-Panzer und ein gepanzerter Spähwagen aus der Zeit der türkischen Zypern-Intervention. Sie wurden für ein neues Denktaş-Denkmal aus ihrem angestammten Umfeld geholt. Nach lautstarkem Protest brachte man sie wieder zurück. Der Streit zeigt, wie stark die Erinnerung an Zypern auch auf dem anatolischen Festland emotional und politisch aufgeladen ist.

Im Mittelpunkt stehen zwei Militärfahrzeuge, die nach der Operation von 1974 auf dem Zypern-Märtyrer-Friedhof (Kıbrıs Şehitliği) im Bezirk Silifke abgestellt wurden. Silifke liegt in der Provinz Mersin an der Südküste der Türkei, nur wenige Dutzend Seemeilen nördlich von Zypern. Das macht die Region zu einem Ort, an dem die Insel nie nur ein fernes Thema war. Viele Familien in der Gegend haben Verbindungen zu den Ereignissen von 1974, sei es durch Wehrdienst, durch Gefallene oder durch die Erzählungen der Älteren.

Panzer und Spähwagen standen dort über Jahrzehnte als stumme Zeugen. Für die Anwohner waren sie keine bloßen Ausstellungsstücke, sondern Teil eines Gedenkortes, der an die Gefallenen erinnert. Wer den Friedhof besuchte, sah die Fahrzeuge als Bestandteil des Ensembles und als Symbol für das, was man mit dem Jahr 1974 verbindet. Gerade dieser enge Bezug erklärt, warum ihre Entfernung so schnell als Eingriff in ein vertrautes Gedenkbild empfunden wurde.

Den Anlass für den Konflikt lieferte ein Neubau in der Nachbarschaft: Im Viertel Mustafa Kemal wurden kürzlich ein Park und ein Freilichtmuseum eröffnet, die dem Gründer der Türkischen Republik Nordzypern, Rauf Denktaş, gewidmet sind. Denktaş gilt in der Türkei und im Norden der Insel als zentrale Figur der türkisch-zyprischen Politik, in der griechisch-zyprischen Wahrnehmung dagegen als Symbol für die Teilung. Wie unterschiedlich sein Andenken bewertet wird, zeigt auch der Beitrag Nordzypern gedenkt seines Gründers Denktaş.

Für ein Freilichtmuseum braucht es anschauliche Objekte. Gepanzerte Fahrzeuge aus der Zeit der Intervention schienen der Gemeinde Toroslar dafür offenbar bestens geeignet. Zuständig für Park und Museum ist deren Bürgermeister, der der nationalistischen MHP angehört. Er erwirkte in Absprache mit dem Provinzgouverneur von Mersin, dass die beiden Fahrzeuge vom Friedhof in Silifke in den neuen Park versetzt wurden. Formal war das also ein Vorgang zwischen Gemeinde und Provinzverwaltung, doch er betraf einen Ort, den die Menschen in Silifke als ihren eigenen betrachten.

Empörung in Silifke

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der Bürgermeister von Silifke, der der kemalistischen CHP angehört, äußerte sich empört über den Abtransport. Aus seiner Sicht wurden Objekte, die zum Gedenkort gehören, ohne ausreichende Rücksicht auf die lokale Gemeinschaft entfernt. Hinzu kam die Frage der Zuständigkeit: Ein Bürgermeister aus einem anderen Bezirk hatte über Fahrzeuge verfügt, die auf dem Gebiet Silifkes standen.

Nicht nur die Kommunalpolitik, auch zahlreiche Bürger legten Protest ein. Sie sahen in der Verlegung eine Herabsetzung des Friedhofs und seiner Bedeutung. Der Friedhof ist ein Ort der Trauer, und was dort steht, hat für viele den Rang eines Erinnerungszeichens. Wird ein solches Zeichen entfernt, entsteht schnell das Gefühl, dass die Erinnerung an die Gefallenen für andere Zwecke vereinnahmt wird, auch wenn diese Zwecke ebenfalls dem Gedenken dienen sollen.

Ein Panzer im Park ist ein Ausstellungsstück, ein Panzer auf dem Friedhof ist ein Teil der Trauer – genau darüber wurde in Silifke gestritten.

Rückzug und Rücktransport

Der öffentliche Druck zeigte Wirkung. Der Bürgermeister von Toroslar gab nach und ließ die beiden Fahrzeuge zurück zum Zypern-Märtyrer-Friedhof bringen. Damit endete die Episode vorerst so, wie sie begonnen hatte: mit Panzer und Spähwagen an ihrem ursprünglichen Platz. Das Denktaş-Museum in Toroslar muss somit ohne diese beiden prominenten Exponate auskommen.

Bemerkenswert ist, dass der Konflikt nicht entlang der Frage verlief, ob man Zyperns Geschichte und Denktaş ehren solle. Darüber herrschte offenbar kein grundsätzlicher Streit. Es ging um den Ort, um Zuständigkeiten und um den Respekt vor einem bestehenden Gedenkplatz. Dass sich dennoch Parteigrenzen zwischen MHP und CHP abzeichneten, ist Teil des alltäglichen politischen Wettbewerbs in der türkischen Kommunalpolitik, in dem selbst symbolische Fragen schnell Lagercharakter annehmen.

Warum Militärgerät so viel Symbolkraft hat

Ausgemusterte Panzer als Denkmäler sind in vielen Ländern verbreitet, in der Türkei ebenso wie auf beiden Seiten der Zypern-Frage. Sie stehen vor Kasernen, in Parks und auf Friedhöfen und erzählen eine bestimmte Version der Geschichte. Für die Türkei und die türkischen Zyprer steht 1974 für eine Rettungsaktion nach Jahren der Gewalt zwischen den Volksgruppen, die mit den Unruhen von 1963 begonnen hatten; dazu passt der Rückblick Bürgerkrieg und Weihnachten auf Zypern 1963. Auch das Leid türkisch-zyprischer Opfer wird bis heute erinnert, etwa bei dem Staatsbegräbnis für Opfer des Taşkent-Massakers.

Auf griechisch-zyprischer Seite wird 1974 hingegen als Invasion und Besatzung erinnert, die bis heute zur Teilung der Insel führt. Dieselben Fahrzeuge werden also je nach Perspektive als Befreiungs- oder als Besatzungssymbole gelesen. Wichtig ist: In dem Streit von Silifke ging es nicht um diese Deutungsdifferenz, sondern um die innertürkische Frage, wo ein Symbol seinen würdigen Platz hat.

Was der Fall über das Erinnern verrät

Die Geschichte der beiden Fahrzeuge ist eine kleine, aber aufschlussreiche Fallstudie über Erinnerungskultur. Gedenkorte entwickeln mit der Zeit ein Eigenleben. Was einmal aufgestellt wurde, gehört nicht mehr allein den Behörden, sondern auch denen, die dort trauern. Wer solche Objekte verlegen will, muss damit rechnen, dass die Gemeinschaft Mitsprache einfordert. In Silifke geschah genau das.

Für die Zypern-Frage insgesamt ist der Vorfall ein Randereignis, das jedoch zeigt, wie präsent das Thema in der Türkei geblieben ist. Während auf der Insel weiter über Föderation, Zwei-Staaten-Modelle und Vertrauensbildung gesprochen wird, was sich etwa an der Debatte um den Annan-Plan ablesen lässt, bleibt die Vergangenheit auf dem Festland sichtbar und greifbar – in Stein, Stahl und Friedhofserde. Ob das neue Denktaş-Museum künftig andere Exponate zeigt oder die Debatte um die Fahrzeuge noch einmal aufflammt, bleibt abzuwarten.

  • Zwei Fahrzeuge aus der Zeit von 1974 standen auf dem Zypern-Märtyrer-Friedhof in Silifke.
  • Sie wurden für den neuen Denktaş-Park in Toroslar versetzt.
  • Der Bürgermeister von Silifke und viele Bürger protestierten.
  • Die Fahrzeuge kehrten daraufhin an den Friedhof zurück.