Der nordzyprische Außenminister Özdil Nami hat sich klar für eine Wiederaufnahme der Zyperngespräche ausgesprochen. Nach seiner Darstellung braucht die geteilte Insel eine föderale Lösung, die beide Seiten tragen können. Zugleich warnte er davor, heikle Verhandlungsthemen zu früh öffentlich zu machen, und stellte die vermuteten Erdgasvorkommen als gemeinsames Gut aller Zyprer dar.
Laut dem inseltürkischen Rundfunk BRT betonte Nami, dass der Verhandlungsprozess dringend wieder in Gang kommen müsse. Der Minister gehört der Republikanisch-Türkischen Partei (CTP-BG) an, die traditionell für eine Verständigung mit der griechisch-zyprischen Seite eintritt. Eine föderale Lösung, so seine Position, sei für beide Gemeinschaften der gangbare Weg.
Dass es überhaupt wieder Bewegung gibt, wertete er als gutes Zeichen. Eine lange Zeit habe die südzyprische Seite die Verhandlungen blockiert, nun aber werde auch im griechisch geprägten Süden wieder über den Prozess gesprochen. Diese Veränderung der Debatte nannte Nami ausdrücklich erfreulich.
Warum Föderation?
Das Modell einer bizonalen, bikommunalen Föderation bildet seit Jahrzehnten die Grundlage der Gespräche unter dem Dach der Vereinten Nationen. Es sieht zwei Teilstaaten mit weitreichender Selbstverwaltung vor, die gemeinsam einen Gesamtstaat mit einer einheitlichen Souveränität bilden. Für Befürworter ist es der Kompromiss, der die Sicherheit und Identität beider Gemeinschaften zugleich schützen kann.

Die Stimmung auf der Insel ist dabei nicht eindeutig. Wie Umfragen und Abstimmungen in der Vergangenheit gezeigt haben, sind die Vorbehalte auf beiden Seiten groß. Dazu passt unser Bericht Südzyprer für Föderation und gegen Annan-Plan, der das Spannungsfeld zwischen grundsätzlicher Zustimmung und Ablehnung konkreter Pläne beleuchtet.
Das sensible Verhandlungskapitel
Deutliche Worte fand Nami zur Frage der Veröffentlichung. Das Kapitel, das als erstes auf der Agenda stehen solle, öffentlich zu machen, widerspreche dem „Geist der bisherigen Gespräche“. Vertraulichkeit gilt in solchen Verhandlungen als wichtige Voraussetzung, weil Zwischenstände schnell politisch ausgeschlachtet werden können.
Zudem hält der Minister dieses Kapitel für besonders heikel, da es die Menschen unmittelbar betreffe. Deshalb sei es unwahrscheinlich, mit ihm die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Gemeint sind erkennbar Fragen, die an Besitz, Heimat und Alltag der Bevölkerung rühren, wie sie bei Gebiets- und Eigentumsfragen auftreten.
„Es liegt ein langer Weg vor uns, bevor wir über Gebietsansprüche und Landkarten sprechen können.“
Unterschiedliche Sensibilitäten
Nami räumte ein, man kenne die besondere Empfindlichkeit, mit der die inselgriechische Seite gerade die Gebietsfrage betrachte. Daraus folge jedoch nicht, dass die türkische Seite diese Sensibilität in gleicher Weise teilen könne. Der Satz zeigt, wie weit die Wahrnehmungen auseinanderliegen: Beide Gemeinschaften tragen ihre eigenen Erinnerungen an Vertreibung, Gewalt und Verlust mit sich.

Wer die Haltung beider Seiten verstehen will, kommt an der Geschichte nicht vorbei. Die Eskalation der frühen sechziger Jahre schildern wir in Bürgerkrieg und Weihnachten auf Zypern 1963, an die Opfer erinnert auch der Beitrag Staatsbegräbnis für Opfer des Taşkent-Massakers. Solche Ereignisse prägen bis heute, wie über Karten und Grenzen gesprochen wird.
Erdgas als gemeinsames Gut
Ein weiteres Thema war das Erdgas, das vor Zypern vermutet wird. Nach Namis Worten gehören diese Vorkommen allen Zyprern und können nicht von einer Seite allein erschlossen werden. Damit knüpft er an einen Streit an, der im östlichen Mittelmeer seit Jahren die Beziehungen zwischen Nikosia, Ankara und der türkisch-zyprischen Seite belastet.
Seine Hoffnung ist, dass die Frage der Exploration den Verhandlungsprozess beschleunigen hilft, statt ihn zu belasten. Ein Vorteil gemeinsamer Nutzung könnte demnach ein Anreiz sein, an den Tisch zurückzukehren.
Einordnung und Ausblick
Namis Äußerungen verbinden Gesprächsbereitschaft mit klaren Vorbehalten: Ja zu Föderation und neuen Verhandlungen, aber keine Vorfestlegung bei Landkarten und keine öffentliche Debatte über sensible Kapitel. Für eine Lösung wird entscheidend sein, ob beide Seiten Vertrauen aufbauen können.
- Wiederaufnahme der Gespräche auf Grundlage einer föderalen Lösung
- Vertraulichkeit statt Veröffentlichung einzelner Verhandlungskapitel
- Gebiets- und Kartenfragen erst nach langer Vorbereitung
- Gemeinsame Nutzung der Erdgasvorkommen als möglicher Impuls

Dass auch Persönlichkeiten beider Seiten immer wieder Brücken bauen wollen, zeigen etwa das Treffen der religiösen und politischen Oberhäupter sowie die Debatte um zyprische Kandidaten für den Friedensnobelpreis. Ob daraus ein tragfähiger Verhandlungsprozess wird, bleibt offen.
Was bleibt offen?
Offen ist vor allem, wann und in welchem Format die Gespräche tatsächlich weitergehen. Nami nannte keinen Zeitplan, sondern verwies auf den langen Weg, der noch bevorstehe. Auch das historische Erbe, etwa die Erinnerung an Nordzyperns Gründer Denktaş, zeigt, wie tief die Positionen in der Geschichte verwurzelt sind. Ein Fortschritt dürfte nur gelingen, wenn beide Seiten die Ängste der jeweils anderen ernst nehmen, ohne die eigenen Interessen aufzugeben.